Noch weniger Kohlenhydrate, noch bessere Blutzuckerwerte

Bessere Blutzuckerwerte

Ich gebe es offen und unumwunden zu – das Thema Kohlenhydrate hat mich nicht mehr losgelassen und so „forschte & experimentierte“ ich munter weiter.

Jedem aufgeklärten Diabetiker und ernährungsaffinen Menschen ist völlig klar, dass es die Kohlenhydrate sind, die bei der Nahrung für den Blutzuckeranstieg verantwortlich sind. Folglich sollte man sie tunlichst reduzieren. Was völlig logisch erscheint und wissenschaftlich schon lange belegt ist, wird immer noch von vielen „sogenannten Beratern“ einfach ignoriert.

Sogar die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die so mancher „Fachgruppe“ als Basis in allen Fragen rund um Ernährung als Infoquelle Nr. 1 gilt, empfiehlt eine Kohlenhydratzufuhr von 55%!

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der seine Ziele frei von wirtschaftlichen und politischen Interessen verfolgt. Wirklich?

Wer sind denn eigentlich die Mitglieder, bzw. der Beirat dieses Vereins, der immerhin richtungsweisende Ernährungsempfehlungen herausgibt? Empfehlungen wie z.B. den Ernährungsbericht im Auftrag der deutschen Bundesregierung. Oder die so wichtigen Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, an die wir uns dann alle halten sollten.

Man höre und staune: Es sind u.a. die diversen Interessensvertretungen der Nahrungsmittelindustrie, wie zB. der Landesinnungsverband des Fleischerhandwerkes, der Interessenverband der Milcherzeugerbetriebe, die Arbeitsgemeinschaft Ernährungsindustrie, die Gesellschaft für Agrarmarketing. Machte man hier nicht den Bock zum Gärtner?

Aber nun zurück zum eigentlichen Thema: Vor kurzem wurde eine interessante Studie veröffentlicht, bei der nachgewiesen wurde, dass eine fettreiche Diät bei Diabetes eindeutig überlegen ist. Low carb Diäten werden nun endlich in medizinischen Leitlinien als Möglichkeit  zur effektiven Behandlung von Übergewicht oder Diabetes genannt. Diese als gleichwertig mit fettarmen Diäten zu empfehlen wäre nicht gerechtfertigt, wie ein sorgfältiger Vergleich von Studien aus der Uni Wien beweist.

L. Schwingshackl und G. Hoffmann unterzogen die international verfügbaren Interventionsstudien mit einer Laufzeit von zumindest 1 Jahr einer Analyse (Brit J Nutr 2014). Verglichen wurden dabei Untersuchungen an Menschen mit Diabetes Typ2  oder einer Vorstufe (insgesamt 14 Studien mit ca. 18.000 Teilnehmern).  Die fettreichere, kohlenhydratärmere Diät erwies sich in folgenden Bereichen der fettärmeren als eindeutig überlegen: Reduktion von Triglyzeriden und des diastolischen Blutdrucks, das HDL-Cholesterin hingegen stieg stärker an. In der Gruppe der Diabetespatienten (ohne Prädiabetes) sank unter der fettreicheren Nahrung außerdem noch der Nüchternblutzucker stärker.Die Autoren: Eine fettreichere (kohlenhydratärmere) und eine fettärmere Diät sind ganz und gar nicht ebenbürtig. Es müssten daher eigentlich fettreichere Diäten empfohlen werden.

Da aus mir in der Zwischenzeit immer noch kein Paleoaner geworden ist, versuche ich einen Kompromiss zu finden und „backe eigene Low carb Brötchen“. Wir haben nun eine Möglichkeit gefunden, Gebäck zu „produzieren“ und dabei trotzdem Kohlenhydrate weitgehend zu meiden.

Wie das geht? Zum Beispiel mittels Topfen, (eventuell Ei), Buttermilch, Leinsamen, Haferkleie, geriebene Mandeln, Natron & Salz. Manchmal auch mit Kokosmehl, Chiasamen, Kokosöl und ähnlichem. Nach den ersten Experimenten gelingt uns mittlerweile unglaublich gutes „Brot“, und mein Blutzucker ist weiter gesunken – nachweislich und…LOGISCH!

 
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Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

Kommentare (10)

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    W.Kalweit

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    Hallo Herr Berndt,

    ich habe mir ein “gesundes” ‘Brot aus

    100g Leinsamen
    100g Buchweizen
    100g Weizenkleie
    300g Haferkleie
    100g Sonnenblumenkernen
    Wasser, Sauerteig, Hefe, Salz

    gebacken. Meine Blutzuckerwerte eine und zwei Stunden nach dem Verzehr
    (mit Käse und Kochschinken) sind nicht wesentlich besser als nach dem Verzehr
    von “normalem” Brot aus Roggen.

    Wie kann das sein? Mache ich etwas falsch?

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      Markus Berndt

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      Ein Roggenbrot besteht, wie auch Buchweizen, aus komplexen Kohlenhydraten. Diese lassen den Blutzucker ebenso ansteigen, wenn auch bedeutend langsamer als “herkömmliche” Brote. Roggenbrot hat etwa die Hälfte an Kohlenhydraten, wie Weizenbrot.

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    Sylvia Ennen

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    Guten Tag Herr Berndt, ich bin soeben auf diese Seite gestoßen und es gefiel mir sehr, dass jemand mal klare Worte zur DGE ausspricht. Endlich ein Gleichgesinnter. Ich ernähre mich so zwischen LOGI und KETOGEN und habe mit der KH-Reduktion + mehr (gutes) Fett Erfolge zu verzeichnen.
    Vielen Dank also, ich werde mal weiter stöbern.
    Mit freundlichen Grüßen Sylvia Ennen

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    Richard Reuter

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    Hallo ,
    grundsätzlich ist Markus Berndt auf dem richtigen Weg . Unglaublich daß die DGE weitherhin bei der Kh Empfehlung für Diabetiker bleibt .

    Ein wichtiger Aspekt ist natürlich der immens angewachsene Verzehr von stärkereichen Nahrungsmitteln. Man denke an Pizza – Pasta – Pommes … Brot , Baguette , Burger , Bäckereiprodukte ,Chips etc.

    Diese Sachen werden zum schnellen Verzehr überall in den Handel gebracht und von Schülern , Berufstätigen ,schlichtweg jedem der nicht lange warten möchte, verzehrt .
    Und sie werden fast immer in unheiliger Kombination mit Aufstrichfett , Wurst , Käse und co gefuttert .
    Wer sich über diesen Zusammenhang klar wird und stärkehaltige Nahrungsmittel meidet (oder wenigstens deutlich reduziert) und ebenso alle Formen zuckerhaltiger Fertignahrungsmittel/Getränke, hat den wichtigsten Schritt getan .
    Klar das liegt ganz und garnicht im Interesse der Lebensmittelindustrie und des Handels und der Pharmaindustrie.

    Klar das ein genesener Diabetiker kein guter Pharmakunde ist . Und auch viel seltener in Arztpraxen oder Apotheken auftaucht .
    Das ganze ist ein immenser Markt . Deswegen werden immer wieder neue Arzneimittel für Typ2 generiert .

    Jedem Interessierten ist das Alles längst klar . Schwierig nur diese Botschaften effektiv zu transportieren .

    Richard Reuter

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    Magdalena

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    Sehr geehrter Herr Berndt,
    ich bin im Jänner 2014 auf Ihre Homepage und Beiträge aufmerksam geworden und seit dieser Zeit ein großer Fan!!!
    Ich möchte mich für die großartigen Beiträge und Tipps bedanken!! Ich habe sehr viel davon in meinem täglichen Leben umsetzen und adaptieren können und merke eindeutig eine enorme Verbesserung meiner Gesundheit und natürlich der Blutzuckerwerte. Sehr gute Erfolge kann ich vor allem mit Hilfe von Gerstengras (von Naturya), Mandelmilch und Zedernnussöl verbuchen!!
    Warum ich jetzt schreibe? Ich habe soeben Ihren Beitrag „Noch weniger Kohlenhydrate, noch bessere Blutzuckerwerte“ gelesen und ich muss hier 100% zustimmen!!
    Bei meiner ersten Ernährungsberatung im Krankenhaus bekam ich eine Liste mit Produkten die man essen darf, auf der Liste befanden sich unteranderem Milchprodukte aber alle mit 0% Fett oder mit Fettanteil nur bis 45%. Worauf ich hinaus will, diese Produkte enthalten „kein“ Fett aber dafür umso mehr Kohlenhydrate und Zucker!!!! Haben Sie schon ein Vergleich gemacht bei einem Naturjogurt mit 1% Fett und 10%? Ich bin aus dem Staunen nicht rausgekommen!
    Ich denke mir immer wieder, wie sollen die betroffenen Menschen mit Diabetes zu Recht kommen, wenn sie gleich im Krankenhaus mit solchen Informationen „gefuttert“ werden. Natürlich kann ich nicht sagen, wie das bei Personen mit großem Übergewicht und Diabetes funktioniert, ich habe nie Schwierigkeiten mit Übergewicht gehabt ( in der Zeit vor meiner Diagnose habe ich 5 kg mehr auf den Rippen gehabt, es war aber auch durch meine Schilddrüsenunterfunktion bedingt) und trotz mehr Fett in meinem Speiseplan sind die Kilos weg!
    Vielen, vielen Dank für Ihren Einsatz und Bemühungen!! Und ich freue mich auf weitere Neuigkeiten und Erfahrungen!!!
    Einen schönen Tag und beste Grüße!!
    Magdalena

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    Alex Dorfer

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    Ein sehr interessanter Beitrag. Als relative “frische” Diabetikerin finde ich dieses Blog äußerst hilfreich. Wenn ich einen Wunsch äußern darf: Rezepte (auch für Mehlspeisen) wären toll.

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      Markus Berndt

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      Vielen Dank, das freut mich sehr! Schon bald wird es Rezepte online geben, bitte noch um etwas Geduld!

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    jutta brunthaler

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    begonnen, ich fuehle mich gut.mein liebstes lebensmittel ist kokosoel geworden , besonders gut fuers gehirn und schmeckt einen kokosliebhaber wie mir so gut.ich warte auch schon jeden dienstag auf die neue ausgabe vo n DIABETES ADE. Liebe gruesse jutta brunthaler

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      Markus Berndt

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      Liebe Jutta Brunthaler,
      das sind wirkliche tolle Erfolge! Unglaubliche Nüchtern-BZ-Werte! Ich gratuliere sehr herzlich!

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    jutta brunthaler

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    Lieber markus berndt! Du beschreibst genau wie ich seit 15.3.2014 lebe.wie du weisst lebe ich nach LCHF, gibt eine menge foren darueber, und mir geht es ausgezeichnet. Mein nuechtern blutzucker ist in diesen wochen von 205 auf 85-108 gesunken, mein gewicht hat sich um 7kg reduziert. Ich esse gut und reichlich, habe NIE MEHR heisshunger . Meine gelenke tun mir um 2/3 weniger weh, ich schlafe wie ein stein, das war vorher seit gut zwanzig jahren nicht moeglich.ich habe mir deinen letzten artikel zu herzen genommen und mit mehr bewegung, wie heimtrainer undschwimmen

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