Insulinresistenz ist keine Einbahnstraße

In meinem Buch „Diabetes Ade – das Ende der Zuckerkrankheit“ bin ich nicht ohne Grund ausführlich auf das Thema Insulinresistenz eingegangen. Schließlich ist es DAS zentrale Schlüsselelement in Bezug auf Diabetes Typ-2. Insulinresistenz ist der Beginn eines schicksalhaften Krankheitsverlaufes, der jedes Jahr Hunderttausende an Todesopfern fordert. Die meisten Todesfälle könnten wohl verhindert werden, wenn man den Verlauf einer Insulinresistenz in die richtige Richtung kanalisieren würde. Was offensichtlich nicht der Fall ist, denn sonst würden wohl all diese armen Leute noch leben und sich bester Gesundheit erfreuen, anstatt an den schrecklichen Spätkomplikationen einer schlecht therapierten Diabetes Typ-2 Erkrankung zu sterben. Wenn man folglich Schlaganfall, Herzinfarkt & Co. weitgehend vermeiden möchte, lohnt es sich, der Ursache einer Insulinresistenz auf den Grund zu gehen und diese umgehend zu bekämpfen. Und noch viel mehr ist möglich: Nämlich die Umkehr einer Insulinresistenz – auch Reversibilität genannt!

Die offiziellen Statements von Gesundheitsindustrie und Politik lauten stets gleich: Das Fortschreiten einer Diabeteserkrankung ist nicht aufzuhalten. Diese Aussagen mögen in Bezug auf Diabetes Typ-1 ihre Berechtigung haben, in Zusammenhang mit Diabetes Typ-2 sind sie eine für mich nicht nachvollziehbare Unwahrheit! Denn selbstverständlich ist das Fortschreiten von Diabetes Typ-2 aufzuhalten und eben auch umzukehren. Jedoch nur dann, wenn man rechtzeitig die „Notbremse zieht“ und das Problem an der Wurzel ergreift. Einer Wurzel namens Insulinresistenz. Ohne nun erneut auf die Ursachen einer Insulinresistenz einzugehen, möchte ich über einen neuerlichen Selbstversuch berichten, der die „Lenkbarkeit“ der Insulinresistenz untermauern sollte.

Ich habe vor ca. 3 Monaten begonnen, meinem Körper vermehrt Kohlenhydrate in Form von Getreide (2x täglich Brot und Pasta Produkte, darunter auch typische Auszugsmehle* aus dem Supermarkt) zuzuführen, ohne dabei sonstige Parameter meines Lifestyles, wie zum Sporteinheiten, zu verändern. Die Verschlechterung der Blutzuckerwerte ließ nicht allzu lange auf sich warten, und nach etwa 2 Monaten habe ich meinen HbA1c um 0,3 Prozentpunkte verschlechtert. Meine Insulinresistenz war also dabei, wieder zurückzukehren. Bis zu welchem Ausmaß das möglich ist, wollte ich mir verständlicherweise nicht länger ansehen, und so stellte ich meine Ernährung wieder um. Da mir meine Frau mittlerweile äußerst wohlschmeckende Brot- und Gebäckvarianten bäckt, die völlig ohne Mehl (bis auf das gesunde Kokosmehl) auskommen, fiel mir das nicht weiter schwer – ganz im Gegenteil! Es war sogar für mich eine kleine Überraschung, dass bereits nach 4 Wochen der gegenteilige Effekt umso stärker eintrat. Mein errechneter HbA1c verbesserte sich in nur einem einzigen Monat um 0,5 Prozentpunkte und lag somit niedriger, als zum Beginn meiner Testreihe.

Selbstverständlich kann man mit resistenter Stärke, Kräutern, Superfood, Mineralstoffen und vor allem auch Sport die Blutzuckerwerte massiv beeinflussen, das steht außer Diskussion. Wenn man jedoch alle Parameter gleich lässt, ist es nach wie vor faszinierend für mich, wie sehr man doch mit der Zufuhr von Kohlenhydraten** den Blutzuckerverlauf „dirigieren“ kann. Nicht zu fassen in diesem Zusammenhang ist, dass die offiziellen Diabetesgesellschaften noch immer an ihren starren Dogmen einer viel zu kohlenhydrathaltigen Kost festhalten. Und somit Ernährungsempfehlungen abgeben, aufgrund derer ich ihnen bei einer Sache absolut recht geben muss: Mit dieser Art der Ernährung ist auch das Fortschreiten einer Diabetes Typ-2 Erkrankung nicht aufzuhalten. Nicht einmal mit Medikamenten, deren Einnahme immer mehr betroffene Menschen eigentlich gerne entgehen würden. Somit schreitet auch die Insulinresistenz munter weiter fort, und die Ausbreitung der Diabetes Pandemie rund um den Globus wird weiterhin nicht in den Griff zu bekommen sein.

Schade eigentlich, wo es doch so einfach ginge, denn Insulinresistenz ist keine Einbahnstraße!

* Unter einem Auszugsmehl versteht man Mehl aus geschältem Korn, bei dem der Keim und die äußeren Randschichten vor dem Mahlprozess entfernt wurden.

** Kohlenhydrate sind natürlich nicht gleich Kohlenhydrate, schließlich kommen diese auch oft in Obst und Gemüse vor. Wenn ich also von den stark einzuschränkenden Kohlenhydraten spreche, meine ich damit neben Zucker vor allem Kohlenhydrate in Form von Stärke, wie sie zum Beispiel in Kartoffeln sowie Brot und Reis vorkommt.

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Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

Kommentare (4)

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    Dagmar Herdt

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    Verstehe ich es richtig, dass auch Auszugsmehle aus Roggen oder Dinkel z.B.: Dinkelmehl Typ 630 schädlich sind??

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      Markus Berndt

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      Schädlich würde ich sie nicht unbedingt nennen, aber vitalstoffärmer und nicht so optimal, wie Mehle mit einer höheren Typ-Anzahl.Und sie werden den Blutzucker rascher in die Höhe treiben, im Vergleich zu Mehlen mit einer höheren Typ-Anzahl, da sie weniger Ballaststoffe beinhalten.

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    Rosemarie Herndlhofer

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    Lieber Herr Markus Berndt…

    Ich kämpfe noch sehr mit meiner Diabetes 2 bzw mit der Ernährungsumstellung besonders Brot ist schwierig ..backe zwar selbst hab aber noch kein Rezept gefunden das auch schmeckt …könnten sie mir vieleicht die leckeren Rezepte die ihre Frau bäckt zu kommen lassen ?

    Ich wäre sehr dankbar dafür

    LG Rosi Herndlhofer

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      Markus Berndt

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      Kennen Sie schon diese Seite, hier gibt es auch Gebäck: http://www.rezeptour.com/
      Die Seite ist erst im Aufbau, aber für den Anfang finden Sie schon was.
      Zwei Geheimrezepte sind diese hier:
      1. Kokosweckerl: 60g Kokosmehl, 50g gemahlene Mandeln, 2EL Chiasamen, 1TL Quarkernmehl, 1TL Backtriebmittel, 250g Topfen, 1EL Kokosmehl, 3 Eier, 50g hochwertiges und zuckerfreies Eiweisspulver.
      Alles gut miteinander vermischen, zu Weckerl formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backpapier legen.35 Minuten bei 170 Grad backen und danach auf einem Küchengitter auskühlen lassen. Besser schmecken die Weckerl, wenn Sie zB Eryfly, oder Koksblütenzucker dazu geben.
      2. Mandelbrot: 100g geriebene Mandeln, 50g Kokosmehl, 10g Traubenkernmehl, 1EL gemahlene Leinsamen, 1EL Chiasamen, 40g Flohsamenschalen, 30g Eiweisspulver, 1EL Kokosöl,3EL Pfeilwurzmehl, 1TL Natron, 1EL Kokosblütenzucker, 400ml heißes Wasser.
      Alles gut miteienander vermischen, einen Brotlaib formen und bei 170 Grad 40 Minuten im Backrohr backen. Danach auf einem Küchengitter auskühlen lassen.
      Das Mandelbrot ist mein persönlicher Favorit.

      Tipp: Messen Sie vorher und postprandial (2 Stunden nach dem Essen) den Blutzucker, Sie werden freudig überrascht sein!

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