Vorsicht vor der Haferkur!

Immer wieder stößt man darauf, auch ich habe mich zu Beginn meiner „Diabetiker-Karriere“ kurz dazu verleiten lassen und ging prompt in die „Haferfalle“. Die Rede ist von der Haferkur, die von manchen Ärzten im Zuge einer Diabetestherapie empfohlen wird. Aus meiner Sicht unverantwortlich, zumindest für diejenigen Diabetiker Typ-2, die sich bereits vernünftig – also kohlenhydratarm – ernähren. Bei denen werden sich nämlich die Blutzuckerwerte mit ziemlicher Sicherheit gehörig verschlechtern statt verbessern…

Kein Wunder eigentlich, was bitte schön soll an 4 Tagen geballter Kohlenhydratzufuhr, noch dazu in Breiform, gut für einen Diabetiker sein? Die Befürworter dieser unheilvollen Hafertage werfen dabei ins Rennen, dass die im Hafer enthaltenen Beta-Glucane als Ballaststoffe dafür sorgen, dass der Blutzuckeranstieg weniger stark ausfällt, da die Kohlenhydrataufnahme verzögert wird.

Es wird behauptet, dass diese spezielle Haferdiät eine Methode sei, die sich als wirksam und sicher gegen eine Insulinresistenz erweist. Man bezieht sich dabei auf die Entdeckungen von Carl von Noorden, einem der ersten Mediziner, der Insulin in Deutschland zur Behandlung von Diabetes einsetzte und gerne als Pionier der Diabetologie in Deutschland bezeichnet wird. Ohne die Leistungen dieses Mannes schmälern zu wollen, sei zumindest seinen „Nachfolgern“ ins Stammbuch geschrieben, dass sich „Kohlenhydrat-Tage“ denkbar schlecht dazu eignen, Diabetes Typ-2 nachhaltig in den Griff zu bekommen.

Kein vernünftiger Mensch, welcher sich mit der Verstoffwechslung von Kohlenhydraten, deren Folgen auf die Bauchspeicheldrüse und vor allem den Gründen für die Entstehung/Entwicklung einer Insulinresistenz auseinandergesetzt hat, kann ernsthaft behaupten, dass Kohlenhydrat-Tage förderlich für Diabetiker sein sollen.

Aufgrund einer Antibiotikatherapie in Folge eines zahnchirurgischen Eingriffs dürfte ich mir eine Darmentzündung eingefangen haben, unter anderem deshalb, da mein Immunsystem durch die Antibiotikagabe massiv geschwächt wurde. Jeder, der bereits selbst das zweifelhafte Vergnügen einer Darmentzündung hatte, weiß, dass man während dieser Zeit mit der Ernährung sehr vorsichtig sein sollte. Meine Frau schlug mir deshalb vor, ein paar Tage lang nur Haferbrei zu essen und so den Darm zu schonen. Ich nutzte also diese Gelegenheit und testete wider Willen zum 2. Mal selbst die „berühmte“ Haferkur auf ihre Tauglichkeit.

Fazit: Ich kann es wirklich kurz machen, die Ergebnisse in Hinblick auf den Blutzucker waren erwartungsgemäß schlecht. Auch bei mir ist mitunter noch eine, wenn auch sehr schwach ausgeprägte, „Rest-Insulinresistenz“ vorhanden, durch die propagandierte Haferkur habe ich meine Blutzuckerwerte gehörig verschlechtert! Wer so etwas empfiehlt, kann meiner Meinung nach nur entweder absolut keine eigenen Erfahrungswerte haben und nur nachplappern, was er irgendwo gehört oder gelesen hat, oder andere Interessen verfolgen, welche sich meiner Kenntnis entziehen.

Doch die Deutsche Diabetes Gesellschaft erdreistet sich trotzdem im Zuge ihrer Herbsttagung 2017 den Vortrag „Revival der Hafer- (Kohlenhydrat-) Tage bei extremer Insulinresistenz“ zum Besten zu geben. Vielleicht wirkt es ja wirklich bei „extremer Insulinresistenz“, wobei es auch bei einer solchen bedeutend bessere Möglichkeiten gibt, als massive Kohlenhydratzufuhr. Man kann leicht behaupten, eine Verbesserung bei manchen Diabetikern herbeigeführt zu haben, wenn sich diese vor den Hafertagen beispielsweise von Zucker- und Weißmehlprodukten, Fertiggerichten und Fastfood ernährt – und dazu Cola getrunken haben. Klar, dass es da Verbesserungen gibt…

Nachdem ich die Haferkur beendet hatte, sank mein Blutzucker übrigens schon am nächsten Tag wieder rasant nach unten. Von solchen Experimenten lasse ich in Zukunft lieber die Finger!

Und noch etwas: Im Allgemeinen habe ich absolut nichts gegen Hafer, es ist neben Hirse und Gerste eine der gesündesten Getreidesorten überhaupt, und es spricht auch wirklich nichts dagegen, ab und zu ein wenig Hafer in den Ernährungsplan einzubinden. Als Diabetes-Therapie eignet sich Hafer allerdings ganz bestimmt nicht, es gibt bedeutend erfolgversprechendere Ansätze!

Diabetes Ade-Termine 2018:

26.08. – 30.08.2018 (5 Tage/4 Nächte), Waldluftbaden mit Diabetes Ade auf der Schönheitsfarm Sternsteinhof, 4190 Bad Leonfelden, Oberlaimbach 20,  www.sternsteinhof.at. Kosten: € 599, — / pro Person, inkl. Übernachtung auf Basis Vollpension und sämtlicher Workshops

03.10. – 07.10.2018 – Diabetes Ade – Medical Wellness & Präventionstage im Hévízer Hotel Európa fit in Ungarn, Details und Buchungsmöglichkeiten unter: https://www.europafit.hu/de/angebote/medical-wellness-pakete?d=diabetes-ade-package-mit-markus-berndt
 
18.11. – 23.11.2018 (5 Nächte) Kosten – € 549,- /pro Person, Ort: Hotel Weber, Kurhausstraße 16, 2853 Bad Schönau, www.hotelweber.at, Preis inkl. Übernachtung auf Basis Vollpension und sämtlicher Workshops

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Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

Kommentare (1)

  • Ingrid Kagerer

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    Eine haferkur würde Ich ablehnen!aber zum frühstück Haferflocken mit heissen kräutertee kurz quellen LASsen ,mit Joghurt u.nicht zu reifer Banane u.HALBEN Apfel,habe ich getestet, Ist langsam verdaulich,sättigt sehr lange u.der Zucker ist bei mir nach 2 Std.ok! gegen Abend ‘ ich kein Brot mehr zu essen!habe höchstens 53kg ABer auf kurbasis ein no Go für mich! LG.i.kagerer

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