Messhäufigkeit und Beinamputationen

 

Zugegeben, der Titel dieses Artikels ist wenig motivierend und klingt auch etwas „reißerisch“, es sei mir bitte verziehen, aber ich konnte in diesem Fall nicht anders. Oder besser gesagt, in diesen Fällen.

Als ich kürzlich wieder einmal bei meiner Versicherung anrief, um Blutzucker-Teststreifen zu ordern, wies man mich darauf hin, dass die ohnehin spärlich bemessene Menge an bewilligten Teststreifen nach Rücksprache und Empfehlung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft gekürzt wurde. Was so viel heißt, wie das im Falle einer Diabetes Therapie mittels „Lebensstilmaßnahmen“ nur sage und schreibe 50 Streifen innerhalb von 6 Monaten (25 Stück/Quartal!) bewilligt werden. Die ultimative Bestrafung für vernünftige Menschen, die etwas im Sinne Ihrer Gesundheit unternehmen!

Zum Vergleich: Patienten, die mittels oraler Antidiabetika behandelt werden, bekommen gerade noch 100 Teststreifen/Quartal, insulinpflichtige Diabetiker zwischen 300 und 600 Stück/Quartal. Ein insulinpflichtiger Diabetiker erhält also bis zu 24 Mal mehr an dem so wichtigem Equipment wie ich. Nicht zu fassen…

Bitte mich richtig zu verstehen: Selbstverständlich ist es für insulinpflichtige Diabetiker unabdinglich und von größter Wichtigkeit, den Blutzucker so oft wie möglich zu messen, daher benötigen sie auch eine möglichst große Menge an Teststreifen. Daran soll sich auch um Himmels Willen nichts ändern.

Therapie

Anzahl der bewilligten Tests/Quartal, keine Gewähr

Basis Bolus

650

Insulinpumpe

650

Gestationsdiabetes

550

Alle anderen Insulintherapien

300

BOT (Basal unterstütze orale Therapie)

200

OAD Orale Antidiabetika)

100

Lebensstilmaßnahmen

50/6 Monate plus 50 bei Erstmanifestation

Diese Tabelle bezieht sich auf die Vereinbarung zwischen der ÖDG (Österreichische Diabetes Gesellschaft) und dem Hauptverband der Sozialversicherung. Stand 01/2016

An der geringen Menge der bewilligten Streifen für Lifestyle Diabetiker bemerkt man jedoch den gewaltigen Denkfehler, dem die Österreichische Diabetesgesellschaft aufgrund ihres Agreements mit den Krankenkassen unterliegt. Anstatt Diabetiker Typ-2 dazu zu ermutigen, eine „Lifestyle Therapie“ zu wählen, und diese Patienten dabei zu unterstützen, bewirkt man so das Gegenteil. Wie lässt sich solch eine Handlungsweise logisch begründen, noch dazu insofern, als dass Diabetiker, die keine Medikamente benötigen, dem Staat auf Lebenszeit Milliarden an Kosten ersparen?! Wurde hier nicht ganz eindeutig am falschen Platz gespart? Haben wir zu viel Geld? 

Solange hier kein Umdenkprozess stattfindet, solange – fürchte ich – wird sich auch an der weiterhin wachsenden Diabetespandemie absolut nichts ändern. Zahlreiche Betroffene werden nach wie vor in der Medikamentenfalle landen, der sie mühelos hätten entrinnen können. Sofern rechtzeitig die richtigen Maßnahmen getroffen werden würden.

Wenn nicht gerade wir, die wir Diabetes Typ-2 anhand unseres Lebensstils tapfer bezwingen, unseren Blutzucker häufig messen, verlieren wir unter anderem den Überblick über die Verstoffwechslung unserer Nahrung. Und können im Fall der Fälle nicht rechtzeitig gegensteuern, sofern es notwendig ist. Ohne regelmäßiges Blutzuckermessen geraten wir in Gefahr, ebenfalls (wieder?) Medikamente einnehmen zu müssen, und vielleicht sind wir als Folge darauf bald auch auf Insulin angewiesen?! Einen Vorteil würden wir daraus jedoch schon ziehen: Wir bekommen laut Richtlinien dann bis zu 2400 Teststreifen im Jahr…

Im 2. Teil dieses Artikels möchte ich voller Sorge und Mitgefühl darauf hinweisen, dass noch immer viel zu viele Beinamputationen als Folge einer schlecht therapierten Diabeteserkrankung durchgeführt werden. Wir sprechen hier immerhin allein in Deutschland von über 40.000 diabetesbedingten Amputationen im Jahr, viele davon völlig unnötig!
Einem Bericht des deutschen TV-Senders NDR* zufolge würden sich nach Schätzungen von Experten bis zu 80 Prozent der Amputationen durch rechtzeitige und entsprechend qualifizierte Therapie-Maßnahmen verhindern lassen!
Laut dem Internetportal Medizininfo** ist neben dem mangelnden Wissen der Patienten  ein fehlendes ärztliches Management ausschlaggebend für diese Misere. Nebenbei bemerkt  sind Amputationen nach wie vor ein gutes Geschäft für die Krankenhäuser, und solange die Krankenkassen alles bezahlen…

Unnötig zu erwähnen, dass sich all das vermeiden ließe, wenn man rechtzeitig dafür Sorge trägt, es nicht so weit kommen zu lassen. Als das am meisten dazu geeignete Mittel dafür  bietet sich die Lifestyle Therapie an, über die vor allem auch Diabetes Ade ausführlich berichtet. Mittels einiger weniger Veränderungen des Lebensstils lassen sich beachtliche Erfolge feiern und die gefürchteten Spätkomplikationen wie eben Amputationen (umgangssprachlich auch bekannt als „diabetischer Fuß“) weitgehend vermeiden. Um eine erfolgreiche Eigentherapie im Sinne des „Diabetes Ade Systems“ durchführen zu können, benötigt man nicht vieles. Eines jedoch unbedingt: Ausreichend Blutzucker-Teststreifen…!

* Quelle: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Viele-Amputationen-koennten-verhindert-werden,amputationen100.html
**Quelle: http://www.medizinfo.de/wundmanagement/dfteam.htm

Please follow and like us:
YouTube
Whatsapp
Google+
http://www.diabetesade.com/allgemeine-themen/messhaeufigkeit.html
RSS

Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

Kommentare (4)

  • Avatar

    Cramer

    |

    Ich habe sei einigen Wochen den free Style libre Scanner von Abbott, super toll , man muss nicht mehr stechen, ist aber nicht so billig und zahlt die Kasse nicht. Liebe Grüße

    Reply

  • Avatar

    Hermann Philipps

    |

    Da haben Sie in Österreich ja noch Glück! In Deutschland bekommt man als Typ-2-Diabetiker grundsätzlich überhaupt keine Messstreifen von der Krankenkasse bezahlt, wenn man nicht durch andere Krankheiten schon halbtot ist und der Arzt daher meint, dass aus therapeutischen Gründen eine häufigere Blutzuckermessung unbedingt erforderlich ist.

    Im Internet habe ich immerhin eine etwas preiswertere Quelle für mein Messgerät (Contour XT von Bayer) gefunden. Da kosten 100 Messtreifen samt 100 Lanzetten und 100 Desinfektions-Pads gerade mal 37,50 Euro plus Porto (über ein sehr bekanntes Online-Versandhaus mit dem Anfangsbuchstaben A). Ich habe mich dazu entschlossen, die Verantwortung für mein Diabetikertum auf mich zu nehmen und diese Kosten halt zu tragen.
    Raucher und Trinker geben ja viel mehr Geld für ihre Laster aus, also warum nicht auch einmal anders herum? Es ist immer wieder interessant, durch solche Blutzuckermessungen zu sehen, wie etwa ein schmackhafter Apfel oder eine Scheibe Vollkornbrot den Blutzuckerspiegel in die Höhe jagt oder wie man durch eine Radfahrt oder einen leichten Fußmarsch von vielleicht 20 Minuten diese kleinen Kohlenhydratsünden wieder kompensieren kann.
    Dass Krankenkassen, Pharmabranche und Ärzteschaft zu freundlicher Kooperation neigen, ist ja nichts Neues. Wir können froh sein, dass es sie gibt. Ist immerhin besser als die Situation vor 50 oder gar 100 Jahren.

    Reply

  • Avatar

    Hannelore Hauer

    |

    Darüber ärgere ich mich schon seit Jahren, in OÖ werden die Teststreifen nur bezahlt wenn man Insulin spritzt. Aber in unserem Gesundheitssystem gibt es keine Prävention. Heißt für mich Gesundheit hängt sehr stark von den finanziellen Möglichkeiten ab. Habe übrigens ihr Buch gelesen und kann alles nur bestätigen.

    Reply

    • Avatar

      Markus Berndt

      |

      Ja, damit haben Sie leider recht. Das System ist teilweise komplett unlogisch und weltfremd aufgesetzt. Sauteure Medikamente sind gratis, Menschen die sich selbst therapieren möchten und den Staat dadurch kaum etwas kosten werden nicht unterstützt dabei. Warum wohl…?

      Reply

Kommentieren