Diabetes Typ-B

Unlängst erzählte mir ein Bekannter, dass eine Freundin von ihm Diabetes Typ-B hätte, und fragte mich, ob ich ihr nicht mit ein paar wertvollen Tipps weiterhelfen könnte. Zuerst war ich ein wenig verwirrt und hatte Zweifel an der Funktionstauglichkeit meiner Ohren. Typ-B? War mir da bei meinen jahrelangen Recherchen etwas entgangen? Schließlich gibt es ja tatsächlich Mischformen des Diabetes mit weniger geläufigen Bezeichnungen wie Diabetes Typ-1 und Typ-2. Zum Beispiel den Lada-Diabetes, einer Sonderform des Typ-1 Diabetes. Aber Diabetes Typ-B? Auch wenn der Buchstabe „B“ zweifellos der „2.“ Buchstabe im Alphabet ist stellte sich auf Nachfrage dann doch heraus, dass mein Bekannter da etwas verwechselt hat und in Wahrheit Diabetes Typ-2 meinte.

 Nun könnten böse Zungen natürlich behaupten, dass mein Bekannter nicht gerade mit breiter Allgemeinbildung ausgestattet ist, aufgrund meiner eigenen Erfahrung weiß ich allerdings, dass den meisten Menschen nicht einmal der Unterschied von Diabetes Typ-1 und Typ-2 geläufig ist. Eigentlich alarmierend, in Anbetracht der Tatsache, dass in unseren Breitenkreisen schon fast 10% der Bevölkerung von der Zuckerkrankheit betroffen sind, im Seniorenalter sogar schon 20%. Das wäre immerhin bereits jeder 5. Mensch in der etwas fortgeschrittenen Altersgruppe. Wie viele Verwandte und Bekannte haben Sie in Summe? Und wie viele Bekannte in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook? Und jetzt nehmen Sie nur 10% davon, dann haben Sie Ihren persönlichen Anteil an Diabetikern in Ihrem eigenen Bekanntenkreis. Überrascht?

 Obwohl gerade in den letzten Jahren sogar in den „Mainstream-Medien“ vermehrt über Diabetes zu lesen war (wohlgemerkt auch sehr viel Unsinn darunter), mangelt es offensichtlich trotzdem an sinnvoller Aufklärungsarbeit und es muss die Frage erlaubt sein, wer wohl dafür zuständig wäre?

 Unter Umständen sind es ja die gleichen „Spezialisten“, die Diabetikern als Richtwert für die optimale medikamentöse Langzeitzucker-Einstellung einen HbA1c von 6,5% empfehlen (erst vor kurzem wieder im Gesundheitsmagazin einer großen österreichischen Tageszeitung nachzulesen, Stand: Februar 2016)? Für die Diagnose einer Diabetes Erkrankung wird allerdings ein HbA1c von 6.0 herangezogen. Alles was darunter liegt, gilt als gesund. Was konkret bedeutet, dass, solange man unter diesem Wert liegt, ganz offiziell nicht als Diabetiker gilt!

Nun drängt sich förmlich eine weitere Frage auf: Woher kommt diese Differenz von einem halben Prozentpunkt? Denn in der Literatur ist eindeutig klargestellt, dass niedrigere HbA1c-Werte generell gesünder wären. Warum ermuntert man Diabetiker Typ-2 nicht dazu, bessere Blutzuckerwerte zu erreichen? Das kommt mir irgendwie so vor, wie wenn man einem Fußballer, der kurz davor steht einen Elfmeter zu schießen, erklärt, dass es reicht, wenn der Ball kurz vor der Torlinie zum Halten kommt. Es gilt zwar dann nicht als Tor, aber dafür hätte der Spieler trotzdem einen zufriedenstellenden Schuss abgeliefert.

Damit sich das Ganze nicht von selbst ad absurdum führt, zog ich folgende 2 Schlussfolgerungen: Entweder die verschriebenen Medikamente sind nicht in der Lage, eine optimalere Blutzuckereinstellung zu erreichen, oder die Nebenwirkungen der Antidiabetika sind so schädlich, dass es ethisch nicht zu verantworten wäre, noch mehr davon zur Therapie zu verabreichen. Beides trägt nicht gerade zur Beruhigung bei, was meinen Sie?

Einmal mehr komme ich deshalb nicht umhin, das hierzulande übliche „Procedere“ zur Therapie von Diabetes Typ-2 Patienten kritisch zu hinterfragen. Diese werden aus meiner Sicht zu wenig darüber aufgeklärt, dass sie ihre Diabeteserkrankung zumeist mit einer Lebensstiladaptierung erfolgreich ohne Medikamente therapieren könnten. Und gleichzeitig mangelhaft darüber informiert, dass Medikamente Nebenwirkungen haben, die ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können.
Die größte Gefahr an dieser Vorgangsweise ist jedoch, dass den Betroffenen dadurch offensichtlich (vermutlich unbewusst) suggeriert wird, solange sie ihre Medikamente einnehmen, müssten sie an ihrem Lebensstil nichts ändern.

Gleichzeitig erfahren die Patienten oft auch die, psychologisch nicht zu unterschätzende Unwahrheit, dass das „Fortschreiten der Zuckerkrankheit Diabetes Typ-2 nicht aufzuhalten wäre“.

Ich werde nicht müde zu betonen, dass das nicht den Tatsachen entspricht und vermutlich wohl nur dann so sein wird, wenn man sich medikamentös behandeln lässt!

Denn zumindest in einem rechtzeitig erkannten Stadium kann man Diabetes Typ-2 nicht nur aufhalten, sondern häufig auch heilen! Darüber habe nicht nur ich schon des Öfteren geschrieben, internationale Forschungen bestätigen diese Tatsache ebenfalls!

Fazit: Es ist fatal zu glauben, dass man einen Freibrief zum „ungebremsten und lasterhaften Konsum“ erhält, nur weil man Medikamente gegen Diabetes Typ-2 einnimmt. Die Statistik spricht andere Worte: Diabetes Typ-2 entwickelt sich zur Pandemie, die Anzahl der lebensgefährlichen Spätkomplikationen steigt nach wie vor, die Folgeerkrankungen der Zuckerkrankheit gehören zu den häufigsten Todesursachen!

Mittels einer Lifestyle Intervention (Lebensstilanpassung) haben Diabetiker Typ-2 die besten Chancen, langfristig und zuverlässig den unangenehmen Folgen zu entgehen und ein gesundes, eigenverantwortliches Leben zu führen. Ganz ohne den schädlichen Nebenwirkungen von Medikamenten und der Aussicht, am Ende des Tages doch bei der (Insulin-) Spritze zu landen. Eine Lifestyle Intervention tut nicht weh, ganz im Gegenteil – und sie vergrößert die Chance auf ein beschwerdefreies Leben ungemein! Viele Ärzte unterstützen bereits diesen Ansatz, ich bin guter Dinge, dass es bald noch mehr werden!

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Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

Kommentare (6)

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    magurita martens

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    Hallo Herr Berndt, ich bin vor kurzen auf diese Seite aufmerksam geworden und mir vieles durchgelesen und bin begeistert, zwar hat meine Tochter diabetes seid ihren 14.Lebensjahr, aber für mich ist es Neuland. Vor vier Wochen hat man bei mir einen Wert von 431 gemessen, ich war geschockt, so der Maßen das ich nichts drauf sagen konnte, erstmal verdauen. So nun wollte mein Arzt gleich anfangen mit spritzen, ich mich dagegen gewehrt und ihm gesagt “Na ja, der Zucker kam nicht von heute auf morgen, also kann er auch nicht gehen” dann kriegte ich Tabletten “januvia 50mg” die ich auch gut vertrage, jetzt habe ich meine Ernährung total umgestellt, und tatsächlich er ging weiter runter,nach vier Wochen war er nüchtern auf 178 nach Frühstück 211, keinen Zucker und Kohlenhydrate mehr, ich hoffe noch mehr Anregungen zu finden, also geht es auch ohne spritzen, gleichzeitig verliert man an Gewicht was natürlich auch hilft viel Bewegung, da ich einen hund habe hat man von Haus aus Bewegung genug. Zu mir selber: bin 58 Jahre alt und hatte 84 kg gewogen, jetzt wiege ich 76 kg nach fünf Wochen bei einer Körpergröße von 167 cm,

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      Markus Berndt

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      Herzliche Gratulation zu Ihren tollen Erfolgen – weiter so!

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    Andreas

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    Hallo Herr Berndt, seit mein Arzt bei mir vor 3,5 Wochen einen Nüchternblutzucker von 330 feststellte und bei einer zweiten Messung 220 war ich wohl auch im D-Klub. Nur habe ich sofort nachdem ich die 330 gehört habe, sofort ohne zu Zögern jegliche Zuckersachen und Kohlenhydrate weggelassen. Ohne dies wären die 220 wohl auch nicht drin gewesen. Danach habe ich Gleichgesinnte gesucht und stieß somit auf diese Website, die mir zeigte, dass ich nicht völlig irre bin, wenn ich Diabetes durch Ernährung und Sport und ohne Medikamente begegnen möchte. Es bestärkte mich. Nun bin ich nüchtern morgens schon bei 127 und nach dem Essen (90 Minuten) im Schnitt bei 150. Bei meinem Arzt habe ich nun einen Termin und ich denke er will mir Metformin verschreiben.. Aber das will ich nicht – ich will ein Leben ohne Pillen und das schließt Blutdruckmedikamente, die ich derzeit noch nehme mit ein. Auch will ich sehen, was ich selber leisten kann und kein Ergebnis einer Arznei, sehe jede Woche bessere Werte (Abbau der Fettleber?) . Zu mir: 45 Jahre 1,70 m vormals 97kg nun 90,5 kg – Ernährung low carb – xylit und mit einigen Empfehlungen aus ihrem Buch. Was halten Sie von Metformin?

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      Markus Berndt

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      Erstmals herzliche Gratulation zu Ihren tollen Erfolgen, Sie sind ganz bestimmt am richtigen Weg! Sie werden sicherlich verstehen, dass ich keine “öffentlichen” Bemerkungen zu Medikamenten fallenlassen werde, das würde ich mich in “Teufels Küche” begeben und es steht mir auch nicht zu. Meine persönliche Meinung dazu habe ich ja in einem eigenen Kapitel ín meinem Buch niedergeschrieben. Metformin gehört sicherlich noch zu den “harmloseren” Antidiabetika, sofern man überhaupt von harmlos sprechen kann. Es ist halt leider auch so etwas wie eine “Einstiegsdroge”, bei der es dann selten alleine bleibt. Wenn Sie es ohne Tabletten schaffen ist das sicherlich der erstrebenswertere Weg und denjenigen möchte ich sehen, der dieser Tatsache widerspricht…
      Alles Gute weiterhin für Sie!

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      Andreas

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      Das Thema Metformin ist für mich vom Tisch. Jeden Tag verbessern sich meine Werte und mein Arzt sprach nur noch von einer Prä-Diabetes! mit dem Nüchternwert heute morgen von 122 und einem 90 Minuten nach Essen Wert von 106. Konsequentes und sofortiges Handeln ist der einzige Schlüssel, auch wenn man sich wie ein Außerirdischer im Supermarkt fühlt, wenn man vom eigenen mit Gemüse und Obst beladenem Einkaufswagen zu den anderen schaut, die mit Süßkram und Kohlenhydratbomben überladen sind. So denke ich, dass ihr Buch und ihre Website in den nächsten Jahren viele neue Leser bekommen wird.

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        Markus Berndt

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        Na das ist doch sensationell, ich gratuliere! Das mit dem “außerirdisch” geht vorbei und wird zur Gewohnheit. Irgendwie weiß und spürt man ja auch, dass man selbst am richtigen Weg ist, während viele andere Menschen den eigenen wohl erst finden müssen. Hoffentlich ohne Krankheit, es wäre wünschenswert…

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