Die Haferkur – sinnvoll bei Diabetes?

Rolled oats in a bowl isolated on white

Da ich davon überzeugt bin, dass Diabetes Typ2 meist durch Ernährung (+Bewegung) heilbar ist, probiere ich für meine Leser von Zeit zu Zeit gerne etwas Neues aus und überprüfe es auf seine Validität.

So stieß ich im Zuge meiner Recherchen auf die sogenannte Haferkur, die, wie der Name schon sagt, ausschließlich aus dem Genuss von Hafer besteht. Dieses unter Medizinern recht populäre Hausmittel war bereits bis in die 60iger Jahre beliebt und wurde später durch eine Studie der Universität Heidelberg wieder „reanimiert“. Seitdem wird die Haferkur auch gerne von Ernährungsmedizinern empfohlen, Anlass genug für mich, der Sache näher auf den Grund zu gehen.

Der Haferkur wird eine Behandlungsdauer von 2-3 Tage zugrunde gelegt. Während dieser Tage darf man sich ausschließlich von Hafer ernähren, am besten verwendet man dabei Haferflocken „natur“, oder besorgt sich ungesüßten Haferbrei. Mindestens 2 Liter/Tag Flüssigkeitsaufnahme (Wasser, oder ungesüßter Tee) zusätzlich!

Eine einzelne Mahlzeit besteht dabei aus 75g Hafer, der Kreativität bei der Zubereitung werden keine Grenzen gesetzt – so lange man keine zusätzlichen Kalorien beimengt.

Die zugrundeliegende Annahme: Da Hafer aus komplexen Kohlenhydraten besteht, steigt auch der Blutzuckerspiegel nur langsam an. Das im Hafer enthaltene Beta-Glucan (kommt übrigens auch in Bierhefe vor)  wirkt, als Ballaststoff, regulierend auf den Blutzuckerspiegel. Die Ernährungsmediziner verweisen auf den relativ niedrigen glykämischen Index  (GI), der gerne als Richtparameter für den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach Nahrungseinnahme herangezogen wird.

Leider wird dabei die viel aussagekräftigere glykämische Last übersehen, und diese ist bei Hafer bereits um einiges höher als der  betreffende GI. Immerhin 61%, durchaus nährstoffreiche, komplexe Kohlenhydrate, führen daher auch beim Verzehr von Haferflocken zu einem dementsprechenden Anstieg des Blutzuckers.

Ziel der Haferkur ist primär,  den Wirkungsgrad des Insulins im Körper zu erhöhen und somit einen verminderten Blutzuckeranstieg zu erreichen. Man behauptet, dass die Haferkur eine etwaig bestehende Insulinresistenz positiv beeinflusst.

Persönliches Resümee nach 3 „Testtagen“, während derer ich übrigens ständig Hunger hatte, ist, dass der Blutzucker nicht gesunken ist, sondern das Gegenteil der Fall war. Ich kann daher die beschriebenen, positiven Effekte nicht bestätigen und war vom Ergebnis eher enttäuscht.

Das mag ein individuelles Ereignis sein, ganz geheuer war mir jedoch diese Art der Blutzuckertherapie von Vornherein nicht. Warum: Wie kann es für einen Diabetiker mit einer Insulinresistenz von Vorteil sein,  3 Tage lang ausschließlich Kohlenhydrate zu sich zu nehmen und dabei streckenweise auch noch Hunger zu verspüren???

Sehr gerne würde ich jedoch Erfahrungsberichte anderer Menschen hören und lade speziell diesmal zu einem regen Gedankenaustausch ein!

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Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

Kommentare (5)

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    marion

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    Habe die Haferkur gemacht und meinen Zuckerwert unter 100 bekommen man darf nur nicht am 2 Tage messen ansonsten ist wie die resettaste am computer.

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    Harald Kojzar

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    Hallo MArkus

    Und du bist Typ2er?
    SIehst auf dem Foto nämlich gar nicht so aus 😉

    Lg,
    Harald

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      Markus Berndt

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      Sehr freundlich, danke der Nachfrage. Wie soll denn ein Typ-2 Diabetiker Deiner Meinung nach aussehen? Über 80 Jahre und mindestens 120 kg schwer? Diese Zeiten sind vorbei, es gibt keinen Standard-Typ-2 mehr, mittlerweile sind erschreckenderweise auch schon immer mehr Kinder vom Typ-2 betroffen. Aber nochmals “danke”, ich nehm´s als Kompliment!:=)

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    kammerberger alois

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    ich nehme 50 Gratuliere hafer und 20 Gratuliere leinsamen als bio gegwescht mit 0,25 Li. Naturell Joghurt angesetzt 15 min.? ist das okay?

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      Markus Berndt

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      Wie geschrieben, ich persönlich halte nicht sehr viel von der Haferkur. Außer man hat bis jetzt total ungesund gegessen und sehr hohe Blutzuckerwerte. Dann kann es vermutlich nicht schaden, diese 3-4 Tage mal auszuprobieren.

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