Der Insulin-Index

Im Buch „Diabetes Ade – das Ende der Zuckerkrankheit“ bin ich ausführlich über die beiden Indikatoren Glykämischer Index (GI) und Glykämische Last (GL) eingegangen und habe über deren Aussagekraft berichtet. Und tatsächlich können diese Maßstäbe zur Ermittlung des Blutzuckeranstieges nach Verzehr einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit wichtigen Input liefern. Denn wie wir wissen, lassen Kohlenhydrate den Blutzucker ansteigen, und das wiederum ruft eine mehr oder weniger heftige Insulinantwort hervor. Aber sind es eigentlich nur alleine Kohlenhydrate, die eine Insulinreaktion nach sich ziehen? Die Antwort lautet NEIN, denn auch Eiweiß und Fette üben Einfluss auf den Blutzuckerspiegel aus, allerdings weit weniger heftig.

Der sogenannte Insulin-Index berücksichtigt diese Faktoren, dadurch kann man ihn durchaus als Erweiterung, respektive Ergänzung zu GI und GL betrachten. Denn der Insulin-Index gibt  Aufschluss darüber, wie stark der Insulinspiegel im Blut nach der Nahrungsaufnahme ansteigt. Es werden dabei allerdings nicht nur kohlenhydrathaltige Lebensmittel berücksichtigt, sondern vielmehr auch solche, die gar keine Kohlenhydrate beinhalten.

Ohne nachfolgender Liste vorgreifen zu wollen, lässt sich eine äußerst interessante Schlussfolge ziehen. Während der Blutzuckeranstieg nach wie vor von den Kohlenhydraten dominiert wird, werden diese durch Bestimmung nach dem Insulin-Index durch verarbeitete Lebensmittel wie Snacks und Backwaren sogar noch „getoppt“! An dieser Stelle einmal mehr „herzlichen Dank an die Lebensmittelindustrie“, die mit einer Vielzahl ihrer Produkte eifrig dazu beiträgt, dass wir rascher krank werden – und es auch bleiben!

Dieser weitgehend negative Effekt, den der Verzehr von Snacks und Backwaren nach sich zieht, dürfte darin begründet sein, dass bei den genannten Industrieprodukten die Kombination von Kohlenhydraten mit Fett und/oder Protein (Eiweiß) vorliegt. Werden nämlich Fette oder Proteine gemeinsam mit Kohlenhydraten aufgenommen, wird die Ausschüttung von Insulin stark gesteigert. Und fällt sogar höher aus, als die Menge an Insulin, die bei alleiniger Aufnahme der Kohlenhydratträger auftreten würde.

Fazit 1: Tatsächlich ist es so, dass auch zur Bestimmung des Insulinanstieges die glykämische Betrachtung eines Lebensmittels der wesentlichste Faktor ist. In etwa 10% werden jedoch durch den Anteil und die Verteilung von Fetten und Proteinen beeinflusst. Generell dürften stärkere Anteile an diesen zu einer spürbaren Absenkung des Insulinspiegels führen, während der Kohlenhydratanteil eines Lebensmittels die Insulinausschüttung direkt beeinflusst. Perfekt wäre es natürlich, wenn man neben einer kohlenhydratarmen Ernährung aus oben genannten Gründen vor allem die Kombination aus Fett und Kohlenhydraten vermeidet. Denn sobald dem Körper Fett zugeführt wird,  kommen Fettsäuren ins Blut. Wenn nun gleichzeitig auch Kohlenhydrate gegessen werden, dann gelangt so auch das fettspeichernde Hormon Insulin ins Blut.

Fazit 2: Gerade auch übergewichtige Personen sollten sich folgendes merken: Es ist in erster Linie die Kombination von stark kohlenhydratigen Lebensmitteln, die eine starke Insulinausschüttung nach sich zieht, mit einer fettreichen Ernährung, die uns in Folge dann auch wirklich fett macht. Oder dafür sorgt, dass wir entgegen unserer Wünsche auch fett bleiben, und sogar trotz Sport nicht abnehmen…

In nachfolgender Liste (beiliegendes PDF, vor allem Seite 6) erfahren wir also, in welchem Maß das jeweilige Lebensmittel eine Insulinausschüttung „provoziert“. Im Gegensatz zum Glykämischen Index, der Traubenzucker mit einem GI=100 als Ausgangswert heranzieht, dient beim Insulin-Index das Weißbrot, mit einem Index von 100, als „Messlatte „. Zu beachten gilt ebenso, dass eine gewisse Schwankungsbreite berücksichtigt wird, diese ist mit „+/-“ dargestellt.

Link: http://ajcn.nutrition.org/content/66/5/1264.full.pdf

Eine weitere, vereinfachte Auflistung findet man hier: http://www.mendosa.com/insulin_index.htm

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Markus Berndt

Autor, dipl. Personaltrainer & Ernährungscoach, Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung

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